Inhaltsübersicht:

Im Schweizer Storen-, Rollladen- und Sonnenschutzhandwerk bildet die präzise Planung und Montage aussenliegender Sonnenschutzsysteme ein zentrales Element für thermischen Komfort und sommerlichen Wärmeschutz. Bei modernen Minergie-Gebäuden, hochgedämmten Fassaden mit dicken Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) oder windexponierten Hochbauten führen unzureichend dimensionierte Windfestigkeitsklassen nach EN 13659, fehlerhafte Sturzkasten-Ausmasse oder unkoordinierte Motoransteuerungen zu Klappern, Lamellenabstürzen und thermischer Überhitzung im Sommer. Eine spezialisierte Storen-Software verknüpft lichte Fenstermasse, Motordaten und NPK-Abrechnungspositionen direkt im Auftragsdossier.

1. Normativer Rahmen: SIA 342, VSR-Richtlinien und energetische Vorgaben (SIA 382/1)

Die Planung, Montage und Instandhaltung von Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen unterliegt der Schweizer Norm SIA 342 (Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen) , den Richtlinien des Verbandes Schweizerischer Anbieter von Sonnen- und Wetterschutz-Systemen (VSR ) und dem Schweizerischen Obligationenrecht (SR 220 OR ):

  • Funktionsanforderungen nach SIA 342: Sicherstellung von Blendschutz, Sichtschutz, sommerlichem Wärmeschutz und ausreichender Tageslichtnutzung ohne künstliche Beleuchtung.
  • Toleranzen und Spaltmasse: Exakte Einhaltung der maximal zulässigen seitlichen Lichtspalte zwischen Lamellen und Führungsschienen (max. 15 bis 20 mm je nach Bauart).
  • Baukostenplan-Zuordnung: Saubere Erfassung der Positionen nach BKP 226 (Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen) und BKP 238 (Gebäudeautomation/Steuerungen).
Sturzkasten-Aufmassfalle: Werden Lamellenpakethöhen bei Raffstoren falsch vorkalkuliert, ragen hochgefahrene Lamellen in den lichten Fensterbereich oder kollidieren mit Öffnungsflügeln. Die Software berechnet die exakte Pakethöhe (hp) basierend auf Lamellentyp und Fensterhöhe automatisch.

2. Windwiderstandsklassen nach SN EN 13659 / SN EN 13561 und Verankerungstechnik

Aussenliegende Sonnenschutzsysteme müssen den lokalen Windlasten nach SIA 261 standhalten:

  1. Windklassen nach SN EN 13659 (Abschlüsse aussen):
    • Klasse 0: Keine Leistungsanforderung festgelegt.
    • Klasse 4 (v ≤ 13.5\ m/s bzw. ≈ 48\ km/h): Standardanforderung im Schweizer Mittelland.
    • Klasse 6 (v ≥ 25.0\ m/s bzw. ≈ 90\ km/h): Höchste Windklasse für Verbundraffstoren (z. B. gekoppelte Metall-Lamellen) und windstabile Senkrechtmarkisen (Zip-Systeme) an exponierten Lagen und Hochhäusern.
    • Befestigung im Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS): Verwendung thermisch getrennter Schwerlast-Distanzmontagesysteme (z. B. Fischer Thermax) zur Verhinderung von Wärmebrücken und Putzrissen.
    • Automatischer Windwächter-Schutz: Vorschrift für automatische Wind-Sicherheitssteuerungen, die Behänge bei Erreichen von 80% der zulässigen Windgeschwindigkeit rechtzeitig in die schützende Parkposition fahren.

3. Thermischer Sonnenschutz: Gesamtenergiedurchlassgrad (gtot) und Tageslichtlenkung

Der Einfluss des Sonnenschutzes auf die Gebäudekühllast ist in der Norm SIA 382/1 geregelt:

  • gtot-Wert-Berechnung (Glas + Sonnenschutz): Rechnerischer Nachweis des wirksamen Gesamtenergiedurchlassgrades (gtot ≤ 0.10\ bis\ 0.15 bei geschlossenen Lamellen zur Einhaltung der Grenzwerte ohne aktive Klimakühlung).
  • Tageslichtlenkung (Lichtlenklamellen): Geteilte Lamellenbeugung (unterer Bereich geschlossen gegen Blendung, oberer Bereich geöffnet zur Reflexion des Tageslichts an die Decke).
  • Farbauswahl und Reflexionsgrad: Dokumentation der Absorptions- und Reflexionswerte von Lamellenfarben (z. B. VSR-Standardfarben 010 bis 908).

4. Motorisierung, KNX-/SMI-Busanbindung und Smart-Home-Schnittstellen

Moderne Sonnenschutzanlagen werden vollautomatisiert in die Gebäudeleittechnik eingebunden:

  • SMI-Antriebe (Standard Motor Interface): Digitale Rückmeldung von exakter Behangposition und Lamellenwinkel auf 1° genau an die KNX-/Loxone-Steuerung.
  • Sonnenstands-Nachführung: Automatische winkelgenaue Ausrichtung der Lamellen im Tagesverlauf zur Maximierung des Tageslichts bei gleichzeitigem Blendschutz.
  • Notfall-Freigaben bei Brand (VKF): Notstromgestützte Schnellentriegelung von Storen in Flucht- und Rettungswegen zur Gewährleistung des zweiten Fluchtwegs nach VKF.

5. Vergleich: Papierbasierte Storen-Messzettel vs. relationale Sonnenschutz-Datenbank

| Bewertungskriterium | Handnotizen & Papier-Messblätter | Integrierte ACCSoft Storen-DB | | :--- | :--- | :--- | | Aufmass-Genauigkeit (Breite/Höhe) | Zahlendreher bei manueller Übertragung | Digitale Laserdistanz-Messwertübernahme via Bluetooth | | Pakethöhen-Kalkulation | Lamellen ragen ins Glaslicht (Fehlplanung) | Automatische Pakethöhenermittlung vor der Bestellung | | Windklassen-Zertifizierung | Unsichere Dokumentation bei Schäden | Revisionssichere Zuweisung nach EN 13659 pro Fassadenseite | | gtot-Energienachweis | Mühsames Anfordern von Herstellerblättern | Integrierte Berechnung von gtot nach SIA 382/1 | | Bestellabwicklung beim Hersteller | Manuelles Abtippen in Web-Bestellportale | 1-Klick-Datenaustausch mit führenden Storenherstellern |

6. Gesetzliche Grundlagen und Referenzen