Inhaltsübersicht:
- 1. Normativer Rahmen: SIA 342, VSR-Richtlinien und energetische Vorgaben (SIA 382/1)
- 2. Windwiderstandsklassen nach SN EN 13659 / SN EN 13561 und Verankerungstechnik
- 3. Thermischer Sonnenschutz: Gesamtenergiedurchlassgrad (gtot) und Tageslichtlenkung
- 4. Motorisierung, KNX-/SMI-Busanbindung und Smart-Home-Schnittstellen
- 5. Vergleich: Papierbasierte Storen-Messzettel vs. relationale Sonnenschutz-Datenbank
- 6. Gesetzliche Grundlagen und Referenzen
Im Schweizer Storen-, Rollladen- und Sonnenschutzhandwerk bildet die präzise Planung und Montage aussenliegender Sonnenschutzsysteme ein zentrales Element für thermischen Komfort und sommerlichen Wärmeschutz. Bei modernen Minergie-Gebäuden, hochgedämmten Fassaden mit dicken Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) oder windexponierten Hochbauten führen unzureichend dimensionierte Windfestigkeitsklassen nach EN 13659, fehlerhafte Sturzkasten-Ausmasse oder unkoordinierte Motoransteuerungen zu Klappern, Lamellenabstürzen und thermischer Überhitzung im Sommer. Eine spezialisierte Storen-Software verknüpft lichte Fenstermasse, Motordaten und NPK-Abrechnungspositionen direkt im Auftragsdossier.
1. Normativer Rahmen: SIA 342, VSR-Richtlinien und energetische Vorgaben (SIA 382/1)
Die Planung, Montage und Instandhaltung von Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen unterliegt der Schweizer Norm SIA 342 (Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen) , den Richtlinien des Verbandes Schweizerischer Anbieter von Sonnen- und Wetterschutz-Systemen (VSR ) und dem Schweizerischen Obligationenrecht (SR 220 OR ):
- Funktionsanforderungen nach SIA 342: Sicherstellung von Blendschutz, Sichtschutz, sommerlichem Wärmeschutz und ausreichender Tageslichtnutzung ohne künstliche Beleuchtung.
- Toleranzen und Spaltmasse: Exakte Einhaltung der maximal zulässigen seitlichen Lichtspalte zwischen Lamellen und Führungsschienen (max. 15 bis 20 mm je nach Bauart).
- Baukostenplan-Zuordnung: Saubere Erfassung der Positionen nach BKP 226 (Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen) und BKP 238 (Gebäudeautomation/Steuerungen).
2. Windwiderstandsklassen nach SN EN 13659 / SN EN 13561 und Verankerungstechnik
Aussenliegende Sonnenschutzsysteme müssen den lokalen Windlasten nach SIA 261 standhalten:
- Windklassen nach SN EN 13659 (Abschlüsse aussen):
- Klasse 0: Keine Leistungsanforderung festgelegt.
- Klasse 4 (v ≤ 13.5\ m/s bzw. ≈ 48\ km/h): Standardanforderung im Schweizer Mittelland.
- Klasse 6 (v ≥ 25.0\ m/s bzw. ≈ 90\ km/h): Höchste Windklasse für Verbundraffstoren (z. B. gekoppelte Metall-Lamellen) und windstabile Senkrechtmarkisen (Zip-Systeme) an exponierten Lagen und Hochhäusern.
- Befestigung im Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS): Verwendung thermisch getrennter Schwerlast-Distanzmontagesysteme (z. B. Fischer Thermax) zur Verhinderung von Wärmebrücken und Putzrissen.
- Automatischer Windwächter-Schutz: Vorschrift für automatische Wind-Sicherheitssteuerungen, die Behänge bei Erreichen von 80% der zulässigen Windgeschwindigkeit rechtzeitig in die schützende Parkposition fahren.
3. Thermischer Sonnenschutz: Gesamtenergiedurchlassgrad (gtot) und Tageslichtlenkung
Der Einfluss des Sonnenschutzes auf die Gebäudekühllast ist in der Norm SIA 382/1 geregelt:
- gtot-Wert-Berechnung (Glas + Sonnenschutz): Rechnerischer Nachweis des wirksamen Gesamtenergiedurchlassgrades (gtot ≤ 0.10\ bis\ 0.15 bei geschlossenen Lamellen zur Einhaltung der Grenzwerte ohne aktive Klimakühlung).
- Tageslichtlenkung (Lichtlenklamellen): Geteilte Lamellenbeugung (unterer Bereich geschlossen gegen Blendung, oberer Bereich geöffnet zur Reflexion des Tageslichts an die Decke).
- Farbauswahl und Reflexionsgrad: Dokumentation der Absorptions- und Reflexionswerte von Lamellenfarben (z. B. VSR-Standardfarben 010 bis 908).
4. Motorisierung, KNX-/SMI-Busanbindung und Smart-Home-Schnittstellen
Moderne Sonnenschutzanlagen werden vollautomatisiert in die Gebäudeleittechnik eingebunden:
- SMI-Antriebe (Standard Motor Interface): Digitale Rückmeldung von exakter Behangposition und Lamellenwinkel auf 1° genau an die KNX-/Loxone-Steuerung.
- Sonnenstands-Nachführung: Automatische winkelgenaue Ausrichtung der Lamellen im Tagesverlauf zur Maximierung des Tageslichts bei gleichzeitigem Blendschutz.
- Notfall-Freigaben bei Brand (VKF): Notstromgestützte Schnellentriegelung von Storen in Flucht- und Rettungswegen zur Gewährleistung des zweiten Fluchtwegs nach VKF.
5. Vergleich: Papierbasierte Storen-Messzettel vs. relationale Sonnenschutz-Datenbank
| Bewertungskriterium | Handnotizen & Papier-Messblätter | Integrierte ACCSoft Storen-DB | | :--- | :--- | :--- | | Aufmass-Genauigkeit (Breite/Höhe) | Zahlendreher bei manueller Übertragung | Digitale Laserdistanz-Messwertübernahme via Bluetooth | | Pakethöhen-Kalkulation | Lamellen ragen ins Glaslicht (Fehlplanung) | Automatische Pakethöhenermittlung vor der Bestellung | | Windklassen-Zertifizierung | Unsichere Dokumentation bei Schäden | Revisionssichere Zuweisung nach EN 13659 pro Fassadenseite | | gtot-Energienachweis | Mühsames Anfordern von Herstellerblättern | Integrierte Berechnung von gtot nach SIA 382/1 | | Bestellabwicklung beim Hersteller | Manuelles Abtippen in Web-Bestellportale | 1-Klick-Datenaustausch mit führenden Storenherstellern |
6. Gesetzliche Grundlagen und Referenzen
- Norm SIA 342: SIA 342 — Sonnenschutz- und Verdunkelungsanlagen: Anforderungen und Prüfungen
- Verband Schweizerischer Anbieter von Sonnen- und Wetterschutz-Systemen (VSR): VSR — Fachrichtlinien für Storenmontage, Windklassen und Steuerungstechnik
- Norm SN EN 13659: SNV — Abschlüsse aussen: Leistungs- und Sicherheitsanforderungen (Windwiderstand)
- Schweizerisches Obligationenrecht (OR): SR 220 — Art. 363 ff. (Werkvertrag und Mängelhaftung)