Inhaltsverzeichnis

Im Schweizer Fensterbau und Glasergewerbe stellen die thermische Gebäudehüllenoptimierung, verschärfte kantonale Energienachweise und steigende Sicherheitsansprüche an den Einbruch- und Absturzschutz höchste Anforderungen an Planung und Fertigung. Fenster sind hochkomplexe Bauelemente an der Nahtstelle von Statik, Bauphysik und Gebäudeautomation. Fehlerhafte Uw-Wert-Berechnungen, unzureichende Fugendichtungen nach dem «Innen dichter als aussen»-Prinzip oder fehlerhaft deklarierte Sicherheitsgläser (SIGAB-Richtlinien) führen zu kostspieligen Gewährleistungsfällen. Eine spezialisierte Branchensoftware sorgt für fehlerfreie Devisierung, Stücklistengenerierung und Montageabrechnung.

1. Normative Ausführungsgrundlagen: SIA 331 (Fenster und Fenstertüren) und EN 14351-1

Die Projektierung, Fertigung und Montage von Fenstern und Fenstertüren richtet sich in der Schweiz nach der Norm SIA 331 (Fenster und Fenstertüren) sowie der europäischen Produktnorm SN EN 14351-1:

  • Luftdurchlässigkeit & Schlagregendichtheit: Einstufung der Fensterkonstruktionen nach Beanspruchungsgruppen gemäss SIA 331 (Klasse 4 für Luftdurchlässigkeit, Klasse 9A / E750 für Schlagregendichtheit bei exponierten Berglagen).
  • Windlastwiderstand nach SIA 261: Statischer Nachweis der Rahmen- und Pfostenverformungen unter Böenspitzen (f ≤ L/300).
  • CE-Kennzeichnung & Leistungserklärung (DoP): Verpflichtender Nachweis der deklarierten Eigenschaften (Wärmeschutz, Schallschutz, Strahlungseigenschaften, Stossfestigkeit) bei Inverkehrbringen im Schweizer Wirtschaftsraum.

2. Bauphysikalische Nachweise: Wärmedurchgangskoeffizient (Uw) nach EN ISO 10077-1

Der Gesamtwärmedurchgangskoeffizient eines Fensters (Uw) setzt sich aus Glas, Rahmen und Glasrandverbund zusammen:

Uw = Ag \cdot Ug + Af \cdot Uf + lg \cdot \PsigAg + Af
  1. Glas-Wärmedurchgang (Ug): Standardmässig 3-fach-Isolierverglasungen mit Edelgasfüllung (Argon/Krypton) und Low-E-Beschichtungen (Ug ≤ 0.5 bis 0.7 W/(m2\cdotK)).
  2. Rahmen-Wärmedurchgang (Uf): Profilsysteme aus Holz, Holz-Aluminium, Kunststoff oder thermisch getrennten Aluminiumprofilen (Uf ≈ 0.9 bis 1.3 W/(m2\cdotK)).
  3. Warme Kante (\Psig): Linearer Wärmedurchgangskoeffizient des Randverbunds (thermisch optimierte Kunststoff-Edelstahl-Abstandhalter mit \Psig ≤ 0.040 W/(m\cdotK)).
  4. Minergie- und MuKEn-Grenzwerte: Im Schweizer Standardbau werden Gesamtfesterwerte von Uw ≤ 1.0 W/(m2\cdotK) gefordert, bei Minergie-P Uw ≤ 0.8 W/(m2\cdotK).
Bauanschlussfuge nach SIA 331: Drei-Ebenen-Prinzip

Die Montagefuge muss nach dem Prinzip «Innen dichter als aussen» ausgeführt werden: Innen luft- und dampfdiffusionsdicht (Folienband/Dichtmasse), mittig wärmedämmend (Montageschaum/Mineralwolle), aussen schlagregendicht und diffusionsoffen (Kompriband). Mängel führen zu Tauwasserschäden und Schimmelpilz im Mauerwerk.

3. Schallschutz nach SIA 181 & Einbruchhemmung nach SN EN 1627 (RC 2 / RC 3)

Sicherheits- und Schallschutzanforderungen müssen integral dimensioniert werden:

  • Schallschutz nach SIA 181: Bemessung des resultierenden Schalldämmmasses R'w + Ctr in Abhängigkeit des Aussenlärmpegels (Lärmbelastungskataster nach Strassen-, Bahn- oder Fluglärm). Asymmetrische Glasaufbauten mit Schallschutz-PVB-Folien.
  • Einbruchhemmung nach SN EN 1627 (Resistance Class):
Klasse RC 2 / RC 2 N:* Umlaufende Pilzkopfverriegelungen, abschliessbare Fenstergriffe (100 Nm), Anbohrschutz und P4A-Sicherheitsverglasung (VSG) nach EN 356. Klasse RC 3:* Verstärkte Verkrallung der Beschläge und durchwurfhemmende Verglasung der Klasse P5A.
  • Personensicherheit & Absturzsicherung (SIGAB-Richtlinie 002): Zwingender Einsatz von Verbundsicherheitsglas (VSG) oder Einscheibensicherheitsglas (ESG) bei bodenebenen Verglasungen zur Vermeidung von Schnittverletzungen und Durchsturz.

4. Mengenausmass, BKP 221.1 und Werkvertragliche Montage nach SIA 118

Die Ausschreibung und Abrechnung von Fensterbauarbeiten erfolgt strukturiert:

  1. Baukostenplan BKP 221.1 (Fenster und Fenstertüren): Gliederung nach Fenstern, Schiebetüren (Hebe-Schiebe-Elemente), Aussentüren und Festverglasungen.
  2. Normpositionen-Katalog NPK 371 (Fenster und Fenstertüren): Standardisierte Leistungsbeschreibungen für Fensterelemente inklusive Rahmenmaterial, Glasqualität, Beschlagsvarianten und Montagearten.
  3. SIA 118 Abrechnungsregeln: Fenster werden nach Stück mit Angabe von Aussenmassen (Rahmenlichte) verrechnet. Fensterbänke, Simsabdeckungen und Anschlussfugen werden als separate Laufmeterpositionen (m) erfasst.

5. Systemvergleich: Manuelle Fensterlisten vs. ACCSoft Fensterbau-ERP

Funktionsbereich Manuelle Fensterlisten / Excel ACCSoft Fensterbau- & Glasermodul
Uw-Wert-Berechnung Pauschale Schätzwerte ohne Randverbundberücksichtigung Exakte mathematische EN ISO 10077-1 Berechnung pro Einzelfenster
NPK 371 Devisierung Mühsame Zuordnung von Beschlags- & Zubehörtexten Vollautomatisierte CRB-kompatible Offert- & Deviserstellung
RC2/RC3 Beschlagskonfigurator Fehlerhafte Beschlagszusammenstellung auf Baustelle Automatische Stücklistengenerierung aller Pilzkopf- und Schliessblechpunkte
SIGAB-Sicherheitscheck Absturzsicherung wird bei Planung oft übersehen Automatischer Warnhinweis bei bodenebenen Gläsern ohne VSG
Montage- & Dichtungsrapporte Papierprotokolle gehen nach Abnahme verloren Digitales 3-Ebenen-Montageprotokoll mit Fotobeleg direkt im Objektdossier

6. Schweizer Rechtsgrundlagen und Fachnormenverzeichnis