Inhaltsübersicht:

Im Schweizer Metall- und Fassadenbau erfordert die Fertigung von tragenden Stahl- und Aluminiumkonstruktionen, Geländern, Fluchttreppen und Glasfassaden eine lückenlose Verknüpfung aus ingenieurmässiger Statik, strengen Schutznormen und produktionstechnischer Qualitätssicherung. Seit der vollständigen Inkraftsetzung des Bauproduktegesetzes dürfen tragende Bauteile nur noch mit gültiger Leistungserklärung und Konformitätsnachweis nach EN 1090 in Verkehr gebracht werden. Fehlen Rückverfolgbarkeitsnachweise für Werkstoffzeugnisse oder Schweisszertifikate, drohen Werkvertragsstrafen, Baustopps und der Verlust des Versicherungsschutzes.

1. Gesetzliche Bauprodukte-Konformität: BauPG, EN 1090 und Ausführungsklassen (EXC)

Die Herstellung tragender Metallbauteile unterliegt in der Schweiz dem Bundesgesetz über Bauprodukte (BauPG, SR 933.0 ) und der harmonisierten Normenreihe SN EN 1090-1 / -2 / -3 unter Aufsicht von Metaltec Suisse (AM Suisse) :

  • Einstufung in Ausführungsklassen (Execution Classes):
    • EXC 1: Vorwiegend ruhend belastete Bauteile (z. B. einfache Geländer, Vordächer an Einfamilienhäusern).
    • EXC 2: Standard-Hochbau, Tragwerke, Fluchttreppen und Industriehallen (Standardklasse für Schweizer Metallbauer).
    • EXC 3: Dynamisch beanspruchte Bauwerke, Stadionüberdachungen, Strassen- und Bahnbrücken.
  • Leistungserklärung (DoP) und Schweizer Konformitätskennzeichnung: Jeder Lieferung muss eine projektbezogene Leistungserklärung mit Angabe der Materialkennwerte, Schweisszertifikate und Korrosionsschutzklassen (C1 bis C5 nach ISO 12944) beiliegen.
  • Rückverfolgbarkeit von Halbzeugen: Zwingende Erfassung von Werkszeugnissen 3.1 nach EN 10204 für Profilstähle, Träger und Bleche mit Chargennummer im Werkstattauftrag.
Gesetzliche Pflicht zur WPK: Ein Metallbaubetrieb darf tragende Stahlkonstruktionen nur dann legal herstellen und montieren, wenn er über eine zertifizierte werkseigene Produktionskontrolle (WPK) verfügt. Fehlende WPK-Nachweise führen zur Nichtabnahme des Bauwerks durch die Bauleitung.

2. Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) und Schweissnachweisführung (ISO 3834)

Die werkseigene Produktionskontrolle regelt den gesamten Fertigungsprozess in der Werkstatt:

  1. Schweissaufsicht und Schmelzschweissen nach ISO 3834: Benennung und Dokumentation der verantwortlichen Schweissaufsichtsperson (SAP) mit IWS-/IWE-Diplom.
  2. Schweisser- und Bedienerprüfungen nach ISO 9606-1: Das System überwacht die halbjährliche und zweijährliche Gültigkeit von Schweisserzertifikaten und sperrt abgelaufene Qualifikationen automatisch für sicherheitsrelevante Schweissnähte.
  3. Schweissanweisungen (WPS / WPQR): Verknüpfung der Werkstattzeichnungen mit den geprüften Schweissanweisungen (WPS) unter Berücksichtigung von Nahtform, Schweissposition, Zusatzwerkstoff und Vorwärmtemperatur.

3. Fassadenanschlüsse und thermische Trennung nach SIA 331 und SIA 271

Pfosten-Riegel-Fassaden und Metallfenster müssen strenge bauphysikalische Kriterien erfüllen:

  • Fenster- und Fassadennorm SIA 331: Einhaltung der Anforderungen an Luftdurchlässigkeit (Klasse 4 nach EN 12207), Schlagregendichtheit (Klasse 9A nach EN 12208) und Windlastwiderstand.
  • Isothermenverlauf und Wärmebrückenfreiheit: Rechnerischer Nachweis der thermischen Trennung zur Einhaltung der MuKEn 2014 / Grenzwerte für Ucw- und Uw-Werte (≤ 1.0\ W/(m2K)).
  • Bauwerksabdichtung an Schwellen nach SIA 271: Ausführung barrierefreier Hebe-Schiebe-Türen mit normkonformen Rinnenentwässerungen und Flüssigkunststoff-Anschlüssen.

4. BKP 221 Abrechnung, Montageüberwachung und SIA 118 Abnahmeprotokolle

Die kaufmännische und rechtliche Abwicklung auf der Baustelle erfolgt nach den NPK-Positionen und BKP 221 (Fenster, Aussentüren, Tore und Fassaden aus Metall):

  • Montageprotokolle und Drehmomentkontrolle: Dokumentation der Anzugsmomente bei hochfesten Schraubenverbindungen (HV-Garnituren nach EN 14399) mit kalibrierten Drehmomentschlüsseln.
  • Regie- und Nachtragsmanagement nach SIA 118: Elektronische Erfassung von bauseitigen Anpassungsarbeiten und Kranwartezeiten mit direkter Signatur der Bauleitung vor Ort.
  • Revisions- und Werksdossier: Zusammenstellung aller Prüfberichte, Beschichtungsprotokolle (z. B. Qualicoat für Pulverbeschichtungen, Qualanod für Eloxal) und Pflegeanleitungen für die Bauwerksübergabe.

5. Vergleich: Handordner-Dokumentation vs. integrierte Metallbau-ERP-Datenbank

| Bewertungskriterium | Papierordner & Excel-Tabellen | Integrierte ACCSoft Metallbau-DB | | :--- | :--- | :--- | | EN 1090 WPK-Konformität | Zeitaufwendiges Zusammensuchen von Belegen | Automatisierter Prüfpfad vom Zeugnis bis zur DoP | | Schweisser-Gültigkeitskontrolle | Verpasste Rezertifizierungsfristen | Frühwarnsystem mit automatischer Zuweisungssperre | | Materialchargen-Rückverfolgung | Suche in Lieferscheinarchiven | 1-Klick-Rückverfolgbarkeit aller 3.1-Zeugnisse | | Thermische Nachweise (SIA 331) | Separate bauphysikalische Berechnungen | Direkte Hinterlegung der U-Werte im Fensterelement | | Montage-Qualitätssicherung | Fehlende Drehmomentprotokolle | Digitale Checklisten mit Fotodokumentation am Montageort |

6. Gesetzliche Grundlagen und Referenzen