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Im Schweizer Metall- und Stahlbaugewerbe verlangt der Übergang vom handwerklichen Schlossereibetrieb zum zertifizierten Hersteller tragender Bauteile eine lückenlose Verknüpfung von Konstruktion, werkseigener Produktionskontrolle (WPK) und kaufmännischer Auftragsabwicklung. Ob Geländer, Fluchttreppen, Vordächer oder Industriehallentragwerke: Wer tragende Stahl- oder Aluminiumkonstruktionen in Verkehr bringt, haftet persönlich für die Einhaltung europäischer und Schweizer Tragwerksnormen. Ein spezialisiertes Metallbau-ERP stellt sicher, dass Schmelznummern, Prüfzeugnisse 3.1 nach EN 10204 und Fertigungszeiten nahtlos dokumentiert und wirtschaftlich kalkuliert werden.

1. Gesetzliche Bauproduktepflicht: Bauproduktegesetz (BauPG) und EN 1090 Zertifizierung

Das Inverkehrbringen tragender metallischer Bauprodukte unterliegt dem schweizerischen Bauproduktegesetz (BauPG, SR 933.0) und der harmonisierten europäischen Normenreihe SN EN 1090-1/-2/-3:

  • CE-Kennzeichnung & Leistungserklärung (DoP): Hersteller tragender Stahl- und Aluminiumbauteile müssen über eine zertifizierte werkseigene Produktionskontrolle (WPK) verfügen, die regelmässig durch eine akkreditierte notifizierte Stelle (z. B. SZA / Swiss Safety Center) auditiert wird.
  • Verbot des Inverkehrbringens ohne Zertifikat: Die Fertigung von Tragwerksteilen ohne gültiges EN 1090 Zertifikat stellt einen Gesetzesverstoss dar. Bei Kontrollen der Marktüberwachung drohen Verkaufsverbote, Rückbauten auf Unternehmerkosten und strafrechtliche Sanktionen.
  • Werkstoff-Rückverfolgbarkeit: Jedes im Tragwerk verbaute Stahl- oder Aluminiumprofil muss über ein Werkszeugnis (Abnahmeprüfzeugnis 3.1 gemäss EN 10204) lückenlos bis zum Walzwerk rückverfolgbar sein.

2. Statische Bemessung: SIA 263 (Stahlbau) und Ausführungsklassen EXC 1 bis EXC 3

Die Dimensionierung erfolgt gemäss Norm SIA 263 (Stahlbau) in Abhängigkeit der vom Tragwerksplaner festgelegten Ausführungsklasse (Execution Class):

  • EXC 1: Vorwiegend ruhend beanspruchte, untergeordnete Tragwerke mit geringem Schadensrisiko (z. B. einfache Geländer, Handläufe, landwirtschaftliche Schuppen).
  • EXC 2: Standardklasse für den allgemeinen Hochbau (z. B. Treppentürme, Büro- und Wohngebäude, Vordächer, Carports). Erfordert zertifizierte Schweisser nach ISO 9606-1 und Schweissaufsicht nach ISO 14731.
  • EXC 3: Dynamisch oder hoch beanspruchte Tragwerke (z. B. Brücken, Kranbahnen, Hallenstadien, Grossbühnen). Beinhaltet 100 % zerstörungsfreie Schweissnahtprüfungen (ZfP: VT, MT, UT, RT).
Haftungsfalle bei Geländerabsturzsicherungen (SIA 358)

Geländerkonstruktionen müssen zwingend die Vorgaben der Norm SIA 358 (Geländer) erfüllen (horizontale Holmlast mind. 0.8 kN/m bis 1.6 kN/m, Öffnungen max. 12 cm Kugeldurchgang). Ein statischer Nachweis der Dübelbefestigung nach ETAG 001 / EAD ist im Revisionsdossier obligatorisch.

3. Kalkulation & Devisierung: BKP 221, NPK 342 und Materialzuschnitt-Optimierung

Die strukturierte Vorkalkulation stützt sich auf die standardisierten Branchengliederungen:

  1. Baukostenplan BKP 221 (Fenster, Aussentüren, Tore, Metallbauarbeiten): Klare Abgrenzung zwischen Rohbau-Stahlbau (BKP 212), Metallbauarbeiten (BKP 221) und Schlosserarbeiten (BKP 221.8).
  2. Normpositionen-Katalog NPK 342 (Metallbauarbeiten): Standardpositionen für Geländer, Gitterroste, Fluchttreppen, Vordächer, Stahlrohrrahmen und Verglasungen.
  3. Linearer Stangenzuschnitt & Schachtelungsoptimierung: Rechnerische Verschachtelung von Trägern (HEA, HEB, IPE), Hohlprofilen (SHS, RHS) und Blechen zur Minimierung von Reststücken und Schrottabzug.

4. Qualitätssicherung, Schweißaufsicht (ISO 3834) und Leistungserklärungen (DoP)

Zur rechtssicheren Übergabe eines Metallbauwerkes generiert das Qualitätsmodul alle geforderten Begleitdokumente:

  • Schweissanweisungen (WPS – Welding Procedure Specification): Hinterlegung qualifizierter Schweissverfahren für alle Schweissnähte.
  • Schweissaufsichtsperson (SAP): Dokumentation der Benennung und Freigabe durch die verantwortliche Schweissaufsicht gemäss ISO 14731.
  • Leistungserklärung & CE-Kennzeichnung: Automatisierte Erstellung der DoP (Declaration of Performance) mit Angabe von EXC-Klasse, Tragfähigkeit, Verformung und Korrosionsschutz (z. B. Feuerverzinkung nach ISO 1461 oder Pulverbeschichtung nach Qualicoat).

5. Systemvergleich: Manuelle Metallbaulisten vs. ACCSoft Stahl- & Metallbau-ERP

Funktionsbereich Manuelle Werkstattzettel / Excel ACCSoft Metallbau- & Stahlbaumodul
EN 1090 Nachweisführung Verteilte Papierordner, hohe Auditrisiken Lückenlose digitale WPK mit automatisierter Zuordnung von 3.1 Zeugnissen
Stab- & Blechzuschnitt Manuelle Skizzen mit hohem Verschnittabfall Integrierte 1D/2D-Schachtelungsoptimierung mit Restlängenverwaltung
NPK 342 Devisierung Mühsames Abtippen von Positionstexten Direkte CRB-Schnittstelle mit automatischer Stücklistenübernahme
Leistungserklärungen (DoP) Manuelle Word-Vorlagen, fehleranfällig Automatisierte Erstellung von DoP und CE-Etiketten auf Knopfdruck
Oberflächenbehandlung Vergessene Zink- & Beschichtungszuschläge Exakte Quadratmeter- und Gewichtsberechnung für Verzinkereien

6. Schweizer Rechtsquellen und Fachnormenverzeichnis