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In der Schweizer Gebäudetechnik bilden Trinkwasserhygiene, Energieeffizienz bei der Warmwasserbereitung und die lückenlose Einhaltung strenger Schallschutzanforderungen das anspruchsvolle Fundament moderner Sanitärinstallationen. Sanitärunternehmen und HLKS-Planer müssen die Sicherheitsanforderungen der Schweizerischen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (SVGW) gemäss Richtlinie W3, die Vorgaben der Trink- und Badewasserverordnung (TBDV) zur Legionellenprävention sowie die Normen SIA 385/1 und SIA 181 fehlerfrei koordinieren. Falsch dimensionierte Zirkulationsleitungen, Totvolumina in Stichleitungen oder mangelhaft körperschallentkoppelte Vorwandinstallationen führen zu lebensbedrohlichen Kontaminationen mit Legionella pneumophila, Geräuschbelästigungen und kostspieligen Sanierungen. Eine spezialisierte Sanitär-Planungssoftware synchronisiert Rohrnetzdimensionierungen, Stücklisten und Druckprüfprotokolle in Echtzeit.

1. Gesetzliche Grundlagen & Wasserhygiene: SVGW-Richtlinie W3 und Trinkwasserverordnung (TBDV)

Die Erstellung und der Betrieb von Trinkwasserinstallationen unterliegen dem Lebensmittelgesetz (LMG, SR 817.0), der Verordnung über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV, SR 817.022.11) und den Regelwerken des SVGW:

  • SVGW-Richtlinie W3 (Richtlinie für Trinkwasserinstallationen):
W3/C1 (Rückflussschutz):* Schutz des öffentlichen Trinkwassernetzes vor Rücksaugung oder Rückpressung von Nicht-Trinkwasser (Einsatz von Systemtrennern BA nach EN 1717 bei Heizungsnachspeisungen). W3/C3 (Hygiene in Trinkwasserinstallationen):* Vermeidung von Stagnationswasser (maximal 72 Stunden ohne Wasserwechsel).
  • TBDV-Grenzwerte & Legionellenschutz:
Legionellen im Duschwasser: Maximal < 1'000 KBE/l (Legionella pneumophila*). Wassertemperaturen nach SIA 385/1:* Warmwasseraustritt am Speicher ≥ 60 °C; Mindesttemperatur im gesamten Zirkulationsnetz ≥ 55 °C; Kaltwasser dauerhaft ≤ 20 °C (Verhinderung des Verkeimungsbereichs zwischen 25 °C und 45 °C).
  • Installationsbewilligung: Anschlussarbeiten an das öffentliche Trinkwassernetz dürfen ausschliesslich durch konzessionierte Fachleute mit SVGW-Zertifikat ausgeführt werden.

2. Hydraulische Bemessung: Spitzenvolumenstrom nach W3/E1, Ringleitungen und Zirkulation nach SIA 385/1

Die exakte Dimensionierung verhindert Stagnation und sichert den Komfort an den Entnahmestellen:

  1. Spitzenvolumenstrom (VS) nach SVGW W3/E1:
    • Berechnung des summarischen Volumenstroms (VR) aller Entnahmearmaturen (Waschtisch 0.10 l/s, Dusche 0.15 l/s, Badewanne 0.30 l/s).
    • Bestimmung des Spitzenvolumenstroms unter Berücksichtigung von Nutzungstyp (Wohnungsbau, Hotel, Pflegeheim) und Gleichzeitigkeitskurven.
    • Hygienische Rohrführung (Durchgeschliffene Reihen- oder Ringleitungen):
    • Verlegung von Ringleitungssystemen mit Strömungsteilern: Jede Wasserentnahme am Hauptverbraucher (z. B. WC-Spülkasten) spült das gesamte Stockwerksnetz durch.
    • Totvolumen-Begrenzung: Das Leitungsvolumen zwischen Zirkulationsanschluss und Entnahmestelle darf maximal 3.0 Liter nicht überschreiten («3-Liter-Regel»).
    • Thermischer Abgleich von Zirkulationsnetzen:
    • Automatischer hydraulischer Abgleich mittels thermostatischer Zirkulationsventile zur Sicherstellung von konstant ≥ 55 °C in allen Strängen.
Legionellengefahr bei stagnierenden Leitungsabschnitten

Nicht abgetrennte Leitungen zu rückgebauten Entnahmestellen (Totleitungen) bilden Brutstätten für Biofilme und Legionellen, die sich im gesamten Gebäude verteilen. Vor Umbauten müssen Leitungen unmittelbar am Hauptstrang abgetrennt werden.

3. Sanitär-Schallschutz nach SIA 181: Vorwandsysteme, Rohrentkopplung und Gussrohr-Abwassertechnik

Die Schallschutzanforderungen der Norm SIA 181 gehören zu den am häufigsten eingeklagten Mängeln im Wohnungsbau:

  • Geräuscharten nach SIA 181:
Benutzergeräusche:* Betätigung von WC-Spülungen, Einlaufgeräusche in Badewannen. Funktionsgeräusche:* Fliess- und Abflussgeräusche in Rohrleitungen, Druckschläge von Einhebelmischern.
  • Grenzwerte für schutzbedürftige Räume:
    • Maximale Schalldruckpegel LH,tot ≤ 33 dB(A) im Mehrfamilienhaus (erhöhte Anforderungen: ≤ 28 dB(A)).
  • Konstruktive Schallschutzmassnahmen:
    • Montage von Sanitärkeramiken und Armaturen ausschliesslich auf schallentkoppelten Vorwand-Montageelementen (z. B. Geberit Duofix) mit Dämmunterlagen.
    • Abwasserleitungen: Einsatz von schweren, mineralstoffverstärkten Kunststoff-Abwasserrohren (Silent-Systeme) oder gusseisernen Rohren (SML) mit gummigelagerten Rohrschellen.
    • Kein Verziehen von Abwasserleitungen über Schlaf- und Wohnräumen fremder Wohnungen.

4. Devisierung nach NPK 411, BKP 250 und Druckprüfungen nach SVGW-Vorschriften

Die strukturierte Leistungsbeschreibung stützt sich auf Schweizer Standards:

  1. Baukostenplan BKP 250 (Sanitäranlagen): Gliederung in Sanitärapparate und Garnituren (BKP 251), Trinkwasserverteilung (BKP 252), Abwasseranlagen (BKP 253) und Gasinstallationen (BKP 254).
  2. Normpositionen-Katalog NPK 411 (Sanitärleitungen und Armaturen): Standardisierte Positionen nach Rohrmaterialien (Edelstahl 1.4401, Mehrschichtverbundrohr, PE-Abwasserrohre), Dimensionen (DN), Isolationsdicken nach EnFK und Vorwandsystemen.
  3. Druck- & Dichtheitsprüfung nach SVGW W3:
Prüfung mit ölfreier Druckluft:* Standardverfahren zur Vermeidung von Stagnationswasser zwischen Abnahme und Erstbezug (150 hPa Dichtheitsprüfung, 3.0 bar Festigkeitsprüfung). Hydrostatische Druckprüfung:* Beaufschlagung mit dem 1.1-fachen Betriebsdruck über 120 Minuten bei unmittelbarer Inbetriebnahme.

5. Systemvergleich: Manuelle Rohrnetztabellen vs. ACCSoft Sanitär-ERP

Funktionsbereich Manuelle Tabellenberechnung / Excel ACCSoft Sanitär- & Rohrnetzmodul
Spitzenvolumenstrom & Rohrdurchmesser Fehleranfälliges Ablesen aus alten SVGW-Tabellen Automatisierte W3/E1-Hydraulikberechnung mit exakter Fliessgeschwindigkeitsoptimierung
SIA 385/1 Warmwasserbilanz Pauschale Speicherschätzungen Simulative Auslegung von Warmwasserspeichern, Ladeleistungen und Zirkulationssträngen
Schallschutznachweis (SIA 181) Fehlender Nachweis bei Vorwandinstallationen Integrierte Akustikprüfung mit Dokumentation von Entkopplungselementen
SVGW-Druckprüfprotokoll Handschriftliche Manometerzettel gehen verloren Digitales Prüfjournal mit Bluetooth-Drucksensor-Import und PDF-Export
NPK 411 Devisierung Aufwendiges Zählen von Formstücken und Schellen Vollautomatisierte CRB-Ausschreibung aus 3D-BIM-Rohrnetzdaten

6. Schweizer Rechtsquellen und Fachnormenverzeichnis