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Im Schweizer Elektroinstallations- und Energiesektor bildet die flächendeckende Ausrüstung von Wohnüberbauungen, Tiefgaragen und Gewerbeparks mit intelligenter Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge (EV) eines der wachstumsstärksten Geschäftsfelder. Die Projektierung erfordert jedoch eine präzise Koordination zwischen elektrotechnischer Anschlussleistung, netzdienlichem dynamischem Lastmanagement und eichrechtskonformer Mieterabrechnung. Das Merkblatt SIA 2060, die Technischen Anschlussbedingungen der Schweizer Verteilnetzbetreiber (TAB-CH) sowie die Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) definieren strenge technische Vorgaben für die Skalierbarkeit von Ladeplätzen. Ungesteuertes Laden ohne Lastmanagement führt zu kostspieligen Trafostations-Überlastungen und Netzausfällen. Eine spezialisierte Softwarelösung synchronisiert Lastgangmessungen, Ladepunktverwaltung und ZEV-Abrechnungsdaten in Echtzeit.

1. Gesetzlicher & normativer Rahmen: Merkblatt SIA 2060 (Ausbaustufen A bis D) und Energiegesetz

Die Planung von Ladeinfrastrukturen in Neubauten und Bestandesliegenschaften stützt sich auf das Merkblatt SIA 2060 (Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden) sowie das Bundesgesetz über das Energiegesetz (EnG, SR 730.0):

  • Ausbaustufen nach SIA 2060:
Stufe A (Grundversorgung / Rohbau):* Leerrohre, Kabeltrassen und Platzreserven in der Hauptverteilung für spätere Nachrüstungen. Stufe B (Elektrische Grunderschliessung):* Verlegung von Flachkabel- oder Schienensystemen entlang der Parkfelder inklusive Absicherung und Zählerplatz. Stufe C (Intelligente Ladeinfrastruktur):* Installation von fest montierten AC-Ladestationen (Wallboxen 11 bis 22 kW) mit Kommunikationsanbindung und statischem/dynamischem Lastmanagement. Stufe D (Vollausbau):* Vollständig betriebsbereite Ladepunkte inklusive automatischer Abrechnungs- und Backend-Systeme.
  • Kantonale Bau- und Energiegesetze: Zahlreiche Kantone (z. B. Zürich, Bern, Waadt) schreiben für Neubauten bereits ab einer bestimmten Parkplatzanzahl (meist ≥ 4 bis 10 Parkplätze) die Ausbaustufe B oder C gesetzlich vor.

2. Dynamisches Lastmanagement & Netzanschluss: TAB-CH, Gleichzeitigkeitsfaktoren und Spitzenlastkappung

Ohne intelligentes Lastmanagement stösst der Hausanschlusswert bei steigender Fahrzeuganzahl rasch an seine physikalischen Grenzen:

  1. Gleichzeitigkeitsfaktor (g):
    • Nach SIA 2060 sinkt der Gleichzeitigkeitsfaktor mit steigender Anzahl Ladepunkte drastisch (z. B. g ≈ 0.4 bei 10 Fahrzeugen; g ≈ 0.15 - 0.20 bei 50 Fahrzeugen).
    • Dynamisches Lastmanagement (DLM):
    • Kontinuierliche Messung der aktuellen Hausanschluss-Gesamtlast (Gebäude-Grundlast + Wärmepumpe + Ladeinfrastruktur).
    • Automatische Anpassung des maximal verfügbaren Ladestroms für die Wallboxen in Echtzeit zur Vermeidung von teuren Netzleistungsspitzen (Peak-Shaving).
    • Vorgaben der Technischen Anschlussbedingungen (TAB-CH):
Meldepflicht:* Ladestationen ≥ 3.7 kW müssen dem Verteilnetzbetreiber (VNB) via Installationsanzeige (IA) gemeldet werden. Steuerungseingriff:* Ab 11 kW muss die Ladeinfrastruktur durch den VNB netzdienlich drossel- oder abschaltbar sein (Rundsteuerempfänger oder Smart-Grid-Schnittstelle).
Netzausfallrisiko bei ungesteuerten Einzelladestationen

Das unkoordinierte Anschliessen mehrerer privater Wallboxen ohne übergeordnetes Lastmanagement führt bei zeitgleichem Ladebeginn zum Auslösen der Hausanschlusssicherungen. Der Elektroinstallateur haftet für Folgeschäden, wenn die TAB-CH-Anmeldevorschriften missachtet wurden.

3. Elektrotechnische Sicherheitsvorgaben: NIV Art. 7/9, RCD Typ B / EV, SiNa-Nachweis und Brandschutz VKF

Die Errichtung unterliegt strengen Personenschutzbestimmungen gemäss den Niederspannungs-Installationsnormen (NIN 2020 / NIN 2025):

  • Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD):
    • Jeder einzelne Ladepunkt muss über einen separaten Fehlerstromschutzschalter (FI) verfügen.
    • Zwingende Erkennung von glatten Gleichfehlerströmen (DC > 6 mA): Einsatz von RCD Typ B oder RCD Typ A mit integrierter DC-Fehlerstromüberwachung (RDC-DD nach IEC 62955) zur Verhinderung der Vormagnetisierung vorgeschalteter FIs.
  • Sicherheitsnachweis (SiNa nach NIV Art. 24):
    • Zwingende Schlusskontrolle durch den konzessionierten Elektroinstallateur (Art. 7/9 NIV) und Ausstellung des SiNa inklusive Messung der Schleifenimpedanz, Auslösezeiten des RCD und Isolationswiderstände.
    • Unabhängige Abnahmekontrolle innert 6 Monaten bei gewerblichen Objekten.
  • Brandschutz nach VKF: Keine besonderen Trennwände in Tiefgaragen für Elektrofahrzeuge vorgeschrieben, jedoch zwingende Einhaltung von Not-Aus-Schaltungen für die Feuerwehr bei Brandmelderauslösung.

4. ZEV-Abrechnung, MID-Konformität und Backend-Systeme nach BKP 232/237

Die Integration in den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) und die Mieterverrechnung erfordern eichrechtskonforme Systeme:

  1. MID-Zählerpflicht (Messmittelverordnung MessV):
    • Jede Ladestation muss über einen beglaubigten, MID-zertifizierten Energiezähler verfügen, um kWh-genaue Rechnungen an Mieter oder Stockwerkeigentümer rechtsgültig auszustellen.
    • Offene Kommunikationsstandards (OCPP 1.6-J / OCPP 2.0.1):
    • Verwendung herstellerunabhängiger Ladestationen zur Anbindung an cloudbasierte Abrechnungs-Backends (e-Car-Sharing, Kreditkartenzahlung, RFID-Freischaltung).
    • Kostenstrukturierung nach BKP 232/237 & NPK 373 (Starkstromanlagen):
BKP 232.3:* Verteilungen und Zuleitungen für Elektromobilität. BKP 237.5:* Lastmanagementsysteme und Ladestationen. NPK 373:* Standardisierte CRB-Positionen für Flachbandkabel, Abgangsboxen, Wallboxen und Lastmanagement-Server.

5. Systemvergleich: Isolierte Insellösungen vs. ACCSoft E-Mobility-ERP

Prozess Manuelle Einzelabrechnung / Insellösungen ACCSoft E-Mobility- & Ladeinfrastrukturmodul
Lastmanagement-Planung Statische Rechnungen ohne Reservenprüfung Echtzeit-Simulation nach SIA 2060 mit dynamischer PV-Eigenverbrauchsoptimierung
TAB-CH-Anmeldedossier Manuelles Ausfüllen von TAB- und TAG-Formularen Automatisierte Generierung der Anschlussgesuche für Schweizer Netzbetreiber
ZEV-Mieterabrechnung Mühsames Händisch-Ablesen einzelner Zähler Automatisierter MID-Datenimport via OCPP mit gesetzeskonformer QR-Rechnung
SiNa & Messprotokolle Papierprotokolle in Ordnern verstreut Digitales Anlagendossier inkl. RCD-Prüfprotokollen und SiNa-Verwaltung
NPK 373 Devisierung Unvollständige Offerten ohne Kommunikationsinfrastruktur Ganzheitliche Kalkulation (Flachbandkabel, Wallboxen, Lastmanagement, Software)

6. Schweizer Rechtsquellen und Fachnormenverzeichnis